Fremdfinanzierungsgrad

Was ist der Fremdfinanzierungsgrad?

Geht es um die Bewertung der Bonität eines Unternehmens, ist der Fremdfinanzierungsgrad (im Englischen auch Gearing Ratio genannt) eine wichtige Kennzahl. Man spricht dabei auch von der Fremdkapitalquote.

Sie gibt den Anteil an, die das Fremdkapital am Gesamtkapital eines Unternehmens hat. Die Kennzahl über den Fremdfinanzierungsgrad wird üblicherweise in Prozent angegeben, indem man den Anteil an Fremdkapital mit dem Gesamtkapital ins Verhältnis setzt.

Das Gegenstück zum Fremdfinanzierungsgrad ist der Eigenfinanzierungsgrad. Dieser setzt das Eigenkapital mit dem Gesamtkapital ins Verhältnis. In der Summe ergeben der Fremdfinanzierungs- und Eigenfinanzierungsgrad immer 100%.

Die drei Kennzahlen, die sich aus Fremd-, Gesamt- und Eigenkapital berechnen, helfen Banken und anderen Kreditgebern die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens einzuschätzen.

Wie berechnet man den Fremdfinanzierungsgrad?

Die Formel, nach der der Fremdfinanzierungsgrad berechnet wird, lautet wie folgt:

Fremdkapital x 100 / Gesamtkapital

Der Fremdfinanzierungsgrad lässt sich somit einfach aus den Werten in der Unternehmensbilanz berechnen.

Der Fremdfinanzierungsgrad gibt Aufschluss über die Bonität eines Unternehmens

Interpretation der Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote gibt die Abhängigkeit eines Unternehmens von Fremdkapital an. Ein hoher Fremdfinanzierungsgrad bedeutet also, dass das Unternehmen aus seinen Einnahmen viele Kredite bedienen muss.

Im Gegenzug dazu bedeutet ein hoher Eigenfinanzierungsgrad, dass das Unternehmen weniger hohe Kreditsummen zu tilgen hat. Die Fremdkapitalquote gibt also den Verschuldungsgrad eines Unternehmens an.

Einen einheitlichen bzw. pauschalen Richtwert für den Fremdfinanzierungsgrad gibt es nicht, da er von Branche zu Branche höchst unterschiedlich ist. Für den Fremdfinanzierungsgrad liegt der Richtwert grundsätzlich zwischen 30% - 70%.

Je höher das unternehmerische Risiko, desto tiefer sollte die Fremdkapitalquote liegen. Hintergrund dafür ist, dass hohe Risiken häufig die Wahrscheinlichkeit für Zahlungsausfälle steigen lassen. Würde sich das Unternehmen in einem solchen Fall zum Grossteil aus Fremdkapital finanzieren, geräte es bei einem Zahlungsausfall schnell in eine finanzielle Notsituation, weil es seine Kredite nicht mehr bzw. nur noch verzögert zurückzahlen könnte. Das Risiko für eine Insolvenz würde dabei drastisch steigen.

Ist der Fremdfinanzierungsgrad tiefer, bringen Zahlungsausfälle ein Unternehmen nicht so schnell in die Bredouille, da durch den höheren Eigenfinanzierungsgrad mehr Eigenkapital zur Verfügung steht, das benutzt werden kann, um Zahlungsausfälle auszugleichen.

Kreditinstitute verfügen mit meist mehr als 85% über einen sehr hohen prozentualen Anteil an Fremdkapital. Ein Richtwert für Nicht-Banken ist, dass die Fremdkapitalquote niemals mehr als 80% ausmachen sollte, besser sogar noch unterhalb von 70% liegen sollte.

Wie reduziert man den Fremdfinanzierungsgrad?

Da Fremd- und Eigenfinanzierungsgrad gegenläufig sind, senkt man die Fremdkapitalquote, indem man den prozentualen Anteil für das Eigenkapital erhöht. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Kapitalfreisetzung

Umwandeln von gebundenem Vermögen in Liquidität (z.B. durch Räumungsverkauf oder Veräußerung von Aktien)

Kapitalerhöhung

Erhöhung des Grundkapitals (z.B. durch Erhöhung der Stammanteile oder Emission von Aktien)

Gewinneinbehaltung

Gewinne werden zur Unternehmensfinanzierung verwendet und nicht an Anteilseigner oder Aktionäre ausbezahlt