Der Verschuldungsgrad ist eine wichtige Kennzahl in der BWL und Unternehmensanalyse, um die Verschuldung eines Unternehmens quantitativ zu bewerten.

Der Verschuldungsgrad gibt das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital an. Gemeinsam mit den beiden anderen Kennzahlen Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gibt er Auskunft über die Kapital- und Finanzierungsstruktur des Unternehmens, und zeigt auf, wie gut dieses seinen Verbindlichkeiten nachkommen kann.

Wie berechnet man den Verschuldungsgrad?

Anhand der Verschuldungsgrad-Formel lässt sich die Verschuldung eines Unternehmens berechnen:

Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital x 100

Angegeben wird der Verschuldungsgrad in Prozent.

Die Werte für Eigenkapital und Fremdkapital entnimmt man der Bilanz.

Bei der obigen Formel handelt es sich um den statischen Verschuldungsgrad. Der dynamische Verschuldungsgrad wird weiter unten noch extra behandelt.

Beispiel für die Berechnung des Verschuldungsgrads

Angenommen, ein Unternehmen hat laut Bilanz CHF 100.000 an Eigenkapital, und CHF 25.000 an Fremdkapital.

Der Verschuldungsgrad beträgt also nach obiger Berechnung 25%, was einem soliden Wert entspricht.

Interpretation des Verschuldungsgrads

Schon aus der Formel wird ersichtlich, dass der Verschuldungsgrad auch über 100% liegen kann. Das ist dann der Fall, wenn das Fremdkapital grösser ist als das Eigenkapital.

Dabei gilt: Je höher der Verschuldungsgrad, desto abhängiger ist das Unternehmen von Fremdkapital und desto mehr Schulden hat es zu begleichen.

Nicht selten kommt es vor, dass ein Unternehmen in einem Jahr mehr Fremdkapital aufnehmen muss als es Eigenkapital zur Verfügung hat, zum Beispiel, wenn es eine grössere Investition geplant hat.

Ein hoher Verschuldungsgrad ist per se nichts Schlimmes, denn grosse Anschaffungen lassen sich meist nur durch zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital finanzieren.

Als maximaler Richtwert gilt jedoch, dass ein Unternehmen keinen Verschuldungsgrad oberhalb von 200% anstreben sollte. Das heisst, dass es doppelt so viel Fremdkapital als Eigenkapital hat. Ansonsten steigt das Risiko für Zahlungsschwierigkeiten, was leicht in die Insolvenzspirale führen kann.

Ab einem Verschuldungsgrad von 50% wird dieser als hoch eingestuft. Als optimal wird ein Verschuldungsgrad zwischen 25% und 50% betrachtet.

Risiken für Geldgeber

Schaut man sich als Investor ein Unternehmen an, spielt der Verschuldungsgrad bei der Entscheidung, ob man investieren soll oder nicht, eine grosse Rolle. Denn anhand dieser Kennzahl lässt sich das Risiko abschätzen, ob das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnte.

Ein sehr hoher Verschuldungsgrad ist immer mit einem höheren Risiko für einen Kapitalgeber verbunden, denn das Eigenkapital des Unternehmens würde in diesem Fall nicht ausreichen, um eventuelle Verluste oder Fehlplanungen auszugleichen.

Ein hoher Verschuldungsgrad kann für ein Unternehmen ein schwerer Klotz am Bein sein

Dynamischer Verschuldungsgrad

Interessant ist es auch, zu wissen, wie lange es dauert, bis ein Unternehmen seine Schulden wieder zurückbezahlt hat. Hierzu berechnet man den dynamischen Verschuldungsgrad:

Dynamischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Cashflow

Der Cashflow repräsentiert dabei sämtliche Einkünfte des Unternehmens, die direkt zur Tilgung der Schulden verwendet werden. Meist kann man hier nur eine Schätzgrösse einsetzen, denn der Cashflow ist eine volatile Grösse, die sich ständig ändert.

Beispiel für den dynamischen Verschuldungsgrad

Ein Unternehmen hat vor, in einem Jahr CHF 25.000 an Fremdkapital aufzunehmen.  Es rechnet mit einem Einzahlungsüberschuss von CHF 10.000 pro Jahr.

Setzt man diese Werte nun in die Formel für den dynamischen Verschuldungsgrad ein, ergibt sich ein Wert von 2,5.

Das heisst, dass das Unternehmen das Fremdkapital in 2,5 Jahren an seine Gläubiger zurückgezahlt hat. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass es die geschätzten jährlichen Überschüsse auch tatsächlich erwirtschaftet.

Verschuldungsgrad reduzieren

Ein Unternehmen sollte immer darauf achten, erst gar keinen hohen Verschuldungsgrad zu generieren. Ist dies doch der Fall, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie der Verschuldungsgrad reduziert werden kann.

Liquidität erhöhen

Indem ein Unternehmen zum Beispiel Aktien oder andere Kapitalanlagen veräussert, erhöht es seine Liquidität und somit sein Eigenkapital. Dieses kann wiederum dazu genutzt werden, um Schulden zu begleichen.

Kosten senken

Indem das Unternehmen seine Kostenstruktur eingehend analysiert, kann es Punkte mit Einsparpotenzial identifizieren. So können zum Beispiel hohe Betriebskosten gesenkt werden, wodurch sich durch geringere laufende Ausgaben die Liquidität und das Eigenkapital erhöhen.

Verbindlichkeiten umwandeln

In manchen Fällen lässt sich mit dem Kreditgeber vereinbaren, dass die Schulden des Unternehmens umgewandelt werden in Aktien oder Stammanteile. Der Kreditgeber wird somit Aktionär bzw. Gesellschafter des Unternehmens.

Effizienz steigern

Wenn das Unternehmen höhere Gewinne erwirtschaftet, bedeutet das, dass es mehr Eigenkapital zur Begleichung seiner Schulden zur Verfügung hat.

Durch die Steigerung der Effizienz oder andere gewinnsteigernde Massnahmen lässt sich auf Dauer ein höherer positiver Cashflow erzielen.

Was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis jedoch nicht leicht, und meist mit zusätzlichen Kosten verbunden, die sich zunächst negativ auf den Verschuldungsgrad auswirken.