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Gerät ein Unternehmen in finanzielle Schieflage, geht diesem Umstand meist ein oder mehrere Liquiditätsengpässe voraus, die es zunehmend schwerer machen, allen Zahlungsverpflichtungen frist- und betragsgerecht nachzukommen.

Oftmals lässt sich durch eine Liquiditätsplanung ein solcher Engpass vermeiden, weil Anzeichen dadurch schon frühzeitig erkannt werden und entsprechend Gegenmassnahmen ergriffen werden können.

Bei unvorhergesehenen Ereignissen sind Unternehmen jedoch machtlos. Trotz einer soliden Planung kann dann ein Engpass entstehen, den es zu überbrücken gilt.

In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Liquiditätsengpass ist, wie Sie Anzeichen für einen solchen frühzeitig erkennen, und welche Massnahmen Sie ergreifen können, um ihn zu entschärfen.

Definition: Liquiditätsengpass

Ein Liquiditätsengpass entsteht, wenn die Kosten eines Unternehmens höher sind als die Einnahmen.

Ein liquides Unternehmen kann jederzeit seinen Verbindlichkeiten nachkommen, das heisst es bezahlt seine Angestellten, Mieten, Kreditraten, Verträge etc. immer rechtzeitig und in der fälligen Höhe. Ist dies aus irgendeinem Grund nicht mehr gewährleistet, spricht man von einem Liquiditätsengpass.

Häufig können frei verfügbare Mittel (Rücklagen) abgebaut werden, um einen Engpass kurzfristig zu überbrücken, doch dies gelingt je nach Höhe der Rücklagen oder Grösse des Engpasses nicht immer.

Dabei sind nicht nur finanziell angeschlagene Unternehmen von solchen Engpässen betroffen; grundsätzlich kann sich auch ein Unternehmen mit einer soliden Auftragslage mit einem oder mehreren Liquiditätsengpässen konfrontiert sehen, denn Ursachen gibt es viele.

Bedeutung des Liquiditätsengpasses – Beispiele

Um zu zeigen, welche Bedeutung ein Liquiditätsengpass für ein Unternehmen haben kann und welche Ursachen zugrundeliegen können, veranschaulichen wir dies hier an einigen Beispielen.

Verschlechterung der Beziehungen zu Lieferanten und anderen Partnern

Kann ein Unternehmen die Rechnungen seiner Lieferanten oder Partner nicht rechtzeitig bezahlen, verschlechtert das die Geschäftsbeziehungen. So kann es passieren, dass die Lieferanten nur noch gegen Vorkasse Material oder Teile liefern, Rabatte streichen oder die Zusammenarbeit sogar ganz aufkündigen.

Das verschärft die finanzielle Lage eines Unternehmens meist noch zusätzlich, wodurch sich im Lauf der Zeit die Spirale immer enger zieht.

Liquiditätsengpässe durch unvorhergesehene Ereignisse

Manchmal kommt es vor, dass die Auftragslage eines Unternehmens hervorragend ist, jedoch durch ein unvorhergesehenes Ereignis trotzdem ein Liquiditätsengpass entsteht.

Dies kann passieren, wenn der Lieferant Lieferprobleme hat und nur eine kleinere Menge an bestellten Waren liefern kann. So gerät beim betroffenen Unternehmen die Produktion ins Stocken, es kann seine Produkte nicht wie geplant ausliefern und wird daher von seinen Kunden auch nicht bezahlt. Durch die Mindereinnahmen ist es möglich, dass ein Liquiditätsengpass entsteht.

Wie lässt sich ein Liquiditätsengpass berechnen?

Mit einer Liquiditätsplanung lässt sich ein Liquiditätsengpass oft ermitteln, bevor er akut wird.

Schaut man sich nämlich die aktuellen ein- und ausgehenden Geldströme auf den Unternehmenskonten an, und vergleicht diese mit jenen aus den vergangenen Monaten, lassen sich oft Muster erkennen.

Eine sinkende Kundennachfrage spiegelt sich in geringeren Einnahmen wieder. Anhand solcher Trends und der momentanen Auftragslage lässt sich abschätzen, wie sich die Liquidität in den Folgemonaten entwickelt, und ob mit einem Engpass zu rechnen ist.

Daher ist es wichtig, dass Unternehmen regelmässig ihre Liquiditätsplanung aktualisieren, um den Überblick über ihre Kapitalflüsse zu behalten.

Liquiditätsengpass berechnen: Beispiel

Einen Liquiditätsengpass berechnen Sie z.B. in Excel, indem Sie sämtliche Ihrer Einnahmen und Ausgaben innerhalb eines Monates einander gegenüberstellen. Die Fixkosten wie Gehälter, Mieten, Kreditraten, Vertragszahlungen etc. lassen sich einfach in die Zukunft projizieren. Für die variablen Kosten und für die Einzahlungen müssen Sie Abschätzungen treffen. Trend- und Marktanalysen geben Ihnen dabei einen Eindruck darüber, wie sich die Kundennachfrage (und damit Ihre Einnahmen) in den kommenden Monaten entwickeln werden.

Die Differenz aus Ihren monatlichen Ein- und Auszahlungen ergibt dann entweder einen Überschuss oder ein Defizit. Letzteres kann sich im Lauf der Zeit zu einem Liquiditätsengpass entwickeln. Daher ist es ratsam, Defizite ernst zu nehmen, den Ursachen auf den Grund zu gehen, und sich zu überlegen, wie man die erwarteten Geldströme steuert, damit das Defizit möglichst gering ausfällt.

Liquiditätsprobleme lösen – Welche Möglichkeiten gibt es?

Wenn Sie in Ihrer Planung Liquiditätsprobleme vorhersehen, sollten Sie sich so früh wie möglich um eine Lösung bemühen, auch wenn die Probleme noch nicht akut sind.

Je nach Ihrer aktuellen Situation haben Sie dazu verschiedene Möglichkeiten:

Liquidität erhöhen durch Veräusserung von Vermögenswerten

Um kurzfristig Ihre Liquidität zu erhöhen, können Sie Vermögenswerte verkaufen, die schnell in flüssige Mittel umgewandelt werden können. Zum Beispiel können dies Wertpapiere sein, die an der Börse handelbar sind und ohne zeitliche Verzögerung verkauft werden können.

Eine Liquiditätskrise kann darüber hinaus eine Chance sein, generell sämtliche Vermögensbestände in Ihrem Unternehmen einmal genauer zu betrachten. Vielleicht gibt es Maschinen oder Anlagen, die nicht mehr benötigt werden oder sogar schon ausgemustert wurden. Durch den Verkauf erhöhen Sie die flüssigen Mittel in Ihrem Unternehmen weiter.

Liquiditätsschwierigkeiten vorbeugen durch Cash-Management

Was nicht kurzfristig zu mehr Liquidität führt, Ihrem Betrieb jedoch auf lange Sicht dabei hilft, rentabler zu werden und mehr flüssige Mittel zur Verfügung zu haben, ist die Kostenkontrolle und ein effektives Cash-Management. Hier überprüfen Sie sämtliche Ihrer Ausgaben und stellen sich bei der Analyse die Frage, ob Sie in irgendeinem dieser Bereiche durch das Ergreifen von Massnahmen die Kosten senken können.

Auf Ihrer Einnahmenseite schauen Sie sich dagegen an, wie Sie die Überschüsse in Ihrem Betrieb am besten für Sie arbeiten lassen. Dazu zählt nicht nur das Bilden von Rücklagen, um Zahlungsschwierigkeiten zu vermeiden, sondern auch die Investition in Reparaturen, Modernisierungen oder Anlage der Überschüsse am Kapitalmarkt.

Liquiditätsengpass überbrücken per Bankkredit

Die klassischste Form aller Finanzierungslösungen ist der Bankkredit. Verfügt Ihr Unternehmen trotz des antizipierten Engpasses über eine gute Bonität, haben Sie Chancen, dass die Bank Ihnen dabei hilft, Ihre Liquiditätssituation zu verbessern. Mit der Beantragung eines KMU-Kredits sollten Sie sich nicht zu viel Zeit lassen, denn es dauert oft einige Wochen, bis die Bank Ihre Unterlagen geprüft hat und Ihnen ein Finanzierungsangebot unterbreitet. Darüber hinaus haben kleinere Unternehmen oft keine allzu hohe Priorität bei Banken, und bei sehr kleinen Kreditsummen (weniger als CHF 50’000) wird oft gar kein Kredit vergeben.

Liquiditätsengpass überbrücken per Crowdlending-Kredit

Um Ihre Liquidität per Kredit zu erhöhen, können Sie sich auch statt an eine Bank, an eine Crowdlending-Plattform wenden. Dabei handelt es sich um Finanzdienstleister, die Ihr Finanzierungsvorhaben zur Investition ausschreiben, und dann interessierte Anleger in beliebiger Höhe in das Projekt investieren können.

Crowdlending hat im Gegensatz zu einer Bank den Vorteil, dass ein Finanzierungsangebot schon wenige Tage nach Antragstellung bei Ihnen vorliegt; bei neocredit.ch, zum Beispiel, bekommen Sie schon innerhalb von 48 Stunden ein Angebot, sofern Sie über eine solide Bonität verfügen und Ihr Vorhaben als kreditwürdig eingestuft wird.

Zudem können Sie bei Crowdlending-Plattformen auch kleinere Kredite bekommen, die Banken oft ablehnen (z.B. ab CHF 20‘000 bei neocredit.ch).

 

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Forderungsmanagement optimieren

Häufig kommt es zu Liquiditätsengpässen, weil Kunden eine mangelhafte Zahlungsmoral haben und ihre Rechnungen nicht rechtzeitig bezahlen. Ein produzierendes Unternehmen geht immer in Vorfinanzierung, um die benötigten Waren zur Produktion zu bestellen. Bis zur Bezahlung durch den Kunden kann dabei sehr viel Zeit vergehen. Bleibt dann die Zahlung aus, entstehen so schnell Liquiditätsengpässe.

Das Anpassen der Zahlungsziele kann die Lage möglicherweise entschärfen. Kommt der Kunde in Verzug, kann so schneller eine Zahlungsforderung oder Mahnung versendet werden. Bis zur Bezahlung vergehen dann jedoch oftmals noch weitere Wochen.

Hat ein Unternehmen oft mit Kunden zu tun, die ihre Rechnungen zu spät oder manchmal sogar gar nicht begleichen, sollte überlegt werden, wie man mit solchen „Problemkunden“ in Zukunft umgeht, z.B. Lieferung nur noch gegen Vorkasse.

Vermeidung von Zahlungsverzug durch Factoring

Eine weitere Massnahme, Forderungen an Kunden zu stellen, ist das Factoring. Dabei beauftragt das Unternehmen einen Factoring-Dienstleister, der die offene Rechnung aus eigener Tasche begleicht, und sich dann selbst darum kümmert, die Forderung beim Kunden geltend zu machen.

Der Vorteil für ein Unternehmen ist dabei, dass es sofort den offenen Rechnungsbetrag erhält und damit liquide bleibt.

Zu beachten ist jedoch, dass sich der Factoring-Dienstleister diesen Service auch bezahlen lässt, und einen prozentualen Anteil des Rechnungsbetrags einbehält.

Steuernachzahlungen immer in der Liquiditätsplanung mitberücksichtigen

Häufig kommt es vor, dass aufgrund von Steuernachzahlungen ein Liquiditätsengpass entsteht.

Vor allem Unternehmen, deren Umsätze von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterliegen (und somit auch die Steuersätze), sollten sich ein besonders gutes Polster für die Steuernachzahlungen aufbauen, sodass Engpässe dadurch verhindert werden können.

Fazit: Liquiditätsprobleme lassen sich oft schon lösen, bevor sie entstehen

Übersicht über die flüssigen Mittel mit einem Liquiditätsplan

Eine gute Planung hilft dabei, einem Liquiditätsengpass vorzubeugen. Haben Finanzverantwortliche einen guten Überblick über die aktuelle Liquidität des Unternehmens, können sie abschätzen, wie sich bestimmte Umstände auf die zukünftige Liquidität auswirken werden. Wird ein Engpass befürchtet, lassen sich frühzeitig Massnahmen ergreifen, dass dieser gar nicht erst auftritt.

Massnahmen zur Erhöhung der Liquidität

Für das Lösen von Liquiditätsproblemen stehen Ihnen unterschiedliche Mittel zur Verfügung, damit Sie nicht in Zahlungsverzug geraten, und Ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen können.

Durch die Veräusserung von kurzfristig gebundenem Vermögen (wie Anlagen am Kapitalmarkt, ausgesonderte Maschinen oder Anlagen, Abverkauf von Waren etc.) steigern Sie Ihre Liquidität. Engpässe kleineren Ausmasses können so möglicherweise schon vollständig kompensiert werden.

Sieht sich ein Unternehmen häufig mit kleineren Engpässen konfrontiert, die durch Zahlungsverzug seitens der Kunden entstehen, sollte das Forderungsmanagement optimiert werden, z.B. Zahlungsziele verkürzen, nur noch gegen Vorkasse liefern, oder ein Factoring-Unternehmen beauftragen.

Kredite zur Prävention oder bei akutem Liquiditätsengpass

Ist abzusehen, dass die Rücklagen nicht ausreichen werden, um Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, kann ein Kredit Abhilfe schaffen. Dieser wird entweder bei einer Bank oder einer Crowdlending-Plattform beantragt. Letztere eignet sich insbesondere auch für kleine Finanzierungsvorhaben, und bei sehr akuten Fällen eines Liquiditätsengpasses, da beim Crowdlending in der Regel deutlich weniger Zeit zwischen Beantragung des Kredits und des Geldflusses vergeht als bei einer Bank.

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