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Möchte man eine Firma kaufen in der Schweiz, stehen einem zahlreiche Wege zur Finanzierung offen. Je nach der eigenen Liquidität lassen sich die Anteile aus Eigen- und Fremdkapital kombinieren, sodass man den Kauf des Unternehmens bestmöglich finanzieren kann.

Es empfiehlt sich vorab eine Kalkulation durchzuführen in Form eines Finanzierungsplans, bei der zunächst der Gesamtkapitalbedarf ermittelt, und im Anschluss eine optimale Verteilung aus Eigen- und Fremdkapital berechnet wird. Dabei ist zu beachten, dass die Liquidität des Unternehmens durch die Finanzierung nicht beeinträchtigt werden darf.

Wir stellen in diesem Artikel die verschiedenen Optionen vor, die Käufer haben, um eine Firma zu finanzieren.

Wie viel Eigenkapital brauche ich, um eine Firma zu kaufen in der Schweiz?

In den allermeisten Fällen ist Eigenkapital die Grundvoraussetzung, wenn man eine Firma in der Schweiz auf Kredit kaufen möchte, denn eine Vollfinanzierung aus Fremdkapital ist nur sehr selten möglich.

Es ist daher empfehlenswert, Eigenkapital in einer Grössenordnung von 20 bis 30 Prozent des Finanzierungsbedarfs zur Verfügung zu haben. Das erleichtert die Beantragung eines Kredits später gewaltig.

Das Eigenkapital können dabei Ersparnisse sein, Hypotheken oder Erbvorbezüge.

Auch sogenanntes Beteiligungskapital zählt hierzu. Dabei handelt es sich um Geld von externen Kapitalgebern, ohne, dass Sicherheiten hinterlegt werden müssen. Bei einer offenen Beteiligung wird der Geldgeber Gesellschafter des Unternehmens; bei einer stillen Beteiligung zahlt der Gesellschafter nur Kapital ein und wird zwar am Gewinn, jedoch nicht am Vermögen beteiligt, und erhält somit keine Firmenanteile.

Geldgeber können hierbei Privatpersonen sowie institutionelle Beteiligungsgesellschaften sein.

Mezzanine-Kapital - Kombination aus Eigen- und Fremkapital

Beim Mezzanine-Kapital handelt es sich um einen Mix aus Eigen- und Fremdkapital. Der Vorteil dabei ist, dass Banken es wie Eigenkapital bewerten und die Bonität des Kreditempfängers dadurch stark ansteigt.

Die bereits angesprochene stille Beteiligung ist eine solche Form von Mezzanine-Kapital.

Firma kaufen per Verkäuferdarlehen

Eine weitere Variante stellt das Verkäuferdarlehen dar. Hierbei kann beim Kauf der Firma ein Teil des Kaufpreises in Form eines Darlehens an den Verkäufer bezahlt werden.

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass dieses Darlehen vertraglich als Nachrangdarlehen vereinbart ist. Das heisst, dass im Falle einer Insolvenz der Verkäufer nach allen anderen Gläubigern sein Restkapital zurückbekommt. Eine solche Vereinbarung stärkt aus Bankensicht das Vertrauen in den Käufer, wodurch höhere Kreditlinien möglich sind.

Der Verkäufer, auf der anderen Seite, geht dabei jedoch ein hohes Risiko ein. Ein gutes Vertrauensverhältnis, sowie ein angemessener Zinssatz bei der Zurückzahlung des Darlehens, können hier weiterhelfen, den Verkäufer von dieser Option zu überzeugen.

Fremdkapital - welche Möglichkeiten gibt es?

Im Bereich der Finanzierung durch Fremdkapital gibt es mittlerweile auch sehr viele Möglichkeiten.

Nicht nur Banken vergeben einen Kredit, um eine Firma zu kaufen, sondern auch private Finanzdienstleister. Es hindert einen auch niemand daran, in der Verwandtschaft nach einem Kredit zu fragen.

  • Kredite von Privatpersonen

Freunde oder Verwandte sind meist die erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, einen Kredit für das Kaufen einer Firma zu bekommen. Sämtliche Konditionen wie die Höhe des Kredits, die Laufzeit sowie die Zinssätze können individuell vereinbart werden. Auch wenn die Vertrauensbasis auf beiden Seiten sehr hoch ist, sollte dennoch ein schriftlicher Kreditvertrag aufgesetzt werden, in dem rechtskonform die Bedingungen festgehalten sind. Hierzu zählen auch das eventuelle Hinterlegen von Sicherheiten sowie die Höhe der Verzugszinsen, damit auch bei Insolvenz oder finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens beide Vertragsparteien ihre Rechte und Pflichten kennen.

  • Bankkredit

Möchte man ein Unternehmen kaufen, ist die Finanzierung durch den klassischen Kredit bei einer Bank immer noch die gängigste Form, an Fremdkapital zu gelangen.

Für die Beantragung sind einige formelle Hürden zu nehmen, damit man bei den Verhandlungen die bestmögliche Position einnehmen kann.

Jede Bank wird einen detaillierten Businessplan und Finanzplan fordern, damit sie schwarz auf weiss sieht, wie das Unternehmen finanziell im Moment dasteht, und was in Zukunft zu erwarten ist. Kennzahlen aus den zurückliegenden Bilanzen, sowie die aktuelle Liquidität gehen alle in eine komplexe Analyse ein, in der die Bank ihr Risiko ermittelt. Aus diesem leitet sich dann ab, ob und in welcher Höhe sowie zu welchen Bedingungen ein Kredit vergeben werden kann.

Je nach Unternehmen, Branche und Gewinnaussichten kann es stark schwanken, in welcher Höhe ein Kredit gewährt wird. Manche Banken vergeben Darlehen in Höhe von 40 Prozent des benötigten Gesamtkapitals, manche anderen finanzieren 70 Prozent.

Ähnliche Schwankungen gibt es auch bei den Zinssätzen. Von weniger als 2 bis zu 5 Prozent ist hier in der Regel die Zinsspanne.

Verfügt man über das bereits angesprochene Verkäuferdarlehen, lässt sich die Höhe des Kredits manchmal um bis zu 20 Prozent nach oben schrauben.

Des Weiteren spielen auch der Lebenslauf des Kreditnehmers sowie seine Ausbildung und Erfahrung eine wichtige Rolle in der Beurteilung seiner Kreditwürdigkeit.

Es kann sich lohnen, Angebote von mehreren Banken einzuholen, damit man eine möglichst grosse Auswahl an Krediten hat.

  • Crowdlending

Eine völlig neuartige Form der Finanzierung stellt das Crowdlending dar. Es eignet sich sowohl für kleine wie auch grosse Projekte, und damit für das Kaufen einer Firma. Schweizer Finanzdienstleister, die sich auf diese Art der Darlehensvergabe spezialisiert haben, gibt es mittlerweile einige, z.B. neocredit.ch.

Anders als bei vielen Banken läuft der Beantragungs- und Vergabeprozess hier völlig digital ab. In der Regel füllt der Kreditinteressent einen Antrag aus, legt die geforderten Dokumente in digitaler Form bei (z.B. die Bilanzen der vergangenen drei Jahre) und macht dann Angaben zu sich selbst und der Firma, die er per Kredit kaufen möchte.

Der Antrag wird dann von den Experten der Crowdlending-Plattform-Betreiber geprüft und zeitnah ein Angebot erstellt. Im Fall von neocredit.ch bekommen Antragsteller innerhalb von 48 Stunden ein Finanzierungsangebot. Diese Zeitspanne unterscheidet sich deutlich von der von Banken, die häufig mehrere Wochen benötigen.

Ist das Projekt von der Crowdlending-Plattform akzeptiert, wird es dort Anlegern und Investoren zur Investition vorgeschlagen. Diese machen sich dann anhand der bereitgestellten Informationen ein Bild über das Unternehmen und entscheiden, ob sie Geld zur Finanzierung besteuern wollen.

Finden sich genügend Interessenten, kann es auf diese Weise sehr schnell gehen, bis das Geld in der benötigten Höhe zusammengekommen ist und ausgezahlt wird. Beispielsweise liegen bei neocredit.ch meist weniger als zehn Tage zwischen der Antragstellung und dem Geldfluss.

In welcher Höhe eine Crowdlending-Plattform ein Darlehen vergibt, hängt von deren internen Bewertungskriterien ab. Bis zu 70 Prozent des Gesamtkapitals sind jedoch möglich.

Da Crowdlending-Plattformen anders operieren als Banken, und ihre Kriterien zur Kreditvergabe teilweise anders gewichten, können Käufer, die bei einer Bank keinen Kredit bekommen haben, per Crowdlending versuchen, eine Finanzierung für ihr Unternehmen zu erhalten.

Crowdlending-Kredit beantragen

Fazit

Möchte man ein Unternehmen kaufen, ist eine Finanzierung durch Fremdkapital meist notwendig.

Damit man dieses gewährt bekommt, ist jedoch auch das Vorhandensein von Eigenkapital in einem Umfang von bis zu 30 Prozent des Gesamtkapitalbedarfs nötig.

Möglichkeiten, das Eigenkapital aufzustocken, haben Käufer beispielsweise, wenn sie Geldgeber finden, die als Gesellschafter im Rahmen einer stillen Beteiligung in das Unternehmen einsteigen.

Eine weitere Variante bietet das Verkäuferdarlehen, bei dem ein Teil des Kaufpreises nach und nach an den Verkäufer abbezahlt wird.

Für die Aufnahme von Fremdkapital haben Unternehmer, die eine Firma in der Schweiz kaufen und finanzieren wollen, mehr Auswahl denn je.

Fremdkapital kann in individuell ausgestalteten Kreditverträgen mit Geldgebern aus dem Freundes- oder Familienkreis aufgenommen werden, klassisch per Bannkredit oder mittels Crowdlending.

Während Banken oftmals sehr lange benötigen, bis sie dem Käufer ihre Entscheidung über die Kreditvergabe mitteilen, vergeht beim Crowdlending in den meisten Fällen deutlich weniger Zeit, da es dort anstatt eines einzelnen Geldgebers mehrere gibt.

Dadurch, dass sich verschiedene Formen der Kapitalaufnahme miteinander kombinieren lassen, ist es für Käufer deutlich einfacher, den Kauf das Unternehmens zu finanzieren.